„Astronauten müssen als Menschen sehr resilient sein“

Interview mit Suzanna Randall, Astronautin und Keynote Sprecherin auf der Command Control 2020

Die Astrophysikerin Dr. Suzanna Randall wird derzeit im Rahmen der privaten Initiative „Die erste deutsche Astronautin“ als eine von zwei Kandidatinnen auf den ersten Flug einer deutschen Frau ins All vorbereitet. Bevor es 2021 soweit ist, hält sie am 4. März 2020 auf der Command Control eine Keynote zum Thema „Cyber Resilience and Trust in Space“. Im Vorfeld haben wir mit ihr über das Thema Resilienz gesprochen.

Die Command Control hat in diesem Jahr das Leitthema „Cyber Resilience“. Welche Rolle spielt Resilienz bei Weltraummissionen?

Randall: Aus meiner Sicht spielt Resilienz im All eine sehr große Rolle. Das beginnt damit, dass auf der ISS die meisten kritischen Dinge dreifach vorhanden sind. Das bedeutet, dass die wichtigsten Systeme zweimal ausfallen können, bevor es wirklich kritisch wird. Insofern ist die ISS als System sehr resilient. Darüber hinaus müssen auch die Astronautinnen und Astronauten als Menschen sehr resilient sein. Beispielsweise muss man in der Lage sein, extrem schnell auf kritische Situationen zu reagieren und unter hohem Druck die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört auch, dass man sich innerhalb kürzester Zeit von schockartigen Situationen erholt und in den „Normalzustand“ zurückspringt.

Wird die Resilienz der Besatzungsmitglieder im Vorfeld einer Mission auf besondere Art und Weise besonders trainiert?

Randall: Ein explizites Resilienz-Training gibt es nicht. Implizit spielt Resilienz aber bei zahlreichen Basis-Trainings eine große Rolle. Ein gutes Beispiel dafür ist der Flugschein, der zur Astronautenausbildung dazu gehört. Dabei lernt man, kontinuierlich diverse Checklisten durchzugehen und immer im Blick zu haben, ob irgendwo im System etwas nicht stimmt. Außerdem trainieren wir, wie man aus allen möglichen „nicht-normalen“ Situationen schnellstmöglich recovert. In erster Linie wird Resilienz also anhand diverser praktischer Trainings vermittelt. Dazu kommt, dass Astronautinnen und Astronauten physisch und psychisch absolut gesund sein müssen.

Cybersicherheit ist eine auch eine Frage des Risikomanagements. Welche Rolle spielt Risikomanagement bei einer Weltraummission bzw. den Vorbereitungen?

Randall: Wir denken viel über die Risiken nach. Das höchste Risiko besteht ganz klar bei Start und Landung. Beim Bau der Raumfähren spielen deshalb Risiko-Wahrscheinlichkeiten eine große Rolle. Bei der Entwicklung der Space X- und Boeing Raumschiffe, mit denen Astronauten in den nächsten Jahren zur ISS fliegen sollen, war die Auflage der NASA für das „Loss of Crew“-Risiko bei 1:270. Das heißt die Chance, dass das Raumschiff bei Start oder Landung explodiert und ein oder mehrere Besatzungsmitglieder dabei stirbt muss unter 1:270 liegen. Im Vergleich zu einem Linienflieger ist das natürlich immer noch sehr hoch, aber es ist deutlich besser als bei früheren Missionen. Es wird also sehr großen Wert auf Sicherheit gelegt. Die Realität ist aber trotzdem nur bedingt vorhersehbar. Ob das Risiko tatsächlich 1:270 ist, kann mit Sicherheit erst sagen, nachdem man zweihundertsiebzig Mal geflogen ist.

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