17. Mai 2019

Desinformationskampagnen können nicht nur die EU-Parlamentswahl beeinträchtigen


				
					EU Wahlen

In wenigen Tagen finden die Wahlen zum Europäischen Parlament (EP) statt. Seit dem Datenskandal um Cambridge Analytica im Zuge der letzten US-Präsidentschaftswahlen und des Brexit-Referendums wächst die Sorge, dass auch die bevorstehende Europawahl ins Fadenkreuz von Cyberangriffen, Hack-and-Leak Taktiken und Desinformationskampagnen gerät.

Manipulation und gezielt eingesetzte Falschinformationen vor allem in den sozialen Netzwerken bedrohen aber nicht nur die Stabilität von Gesellschaft und Demokratie. Auch in Unternehmen werden sie zunehmend zu einem Risikofaktor für den weiteren Geschäftserfolg. Wie können Unternehmen ihre Reputation und ihre Informationen im Internet schützen? Das ist auch eine der Fragen, die auf der „Command Control“ am 3. und 4. März 2020 in München diskutiert wird.

Das jüngste Ergebnis einer Recherche des europäischen Journalistennetzwerks Investigate Europe offenbart, dass es den EU-Mitgliedsstaaten vor den Europawahlen an wirksamen Mitteln gegen Desinformation, Social Bots, Trollfarmen, Fakenews und ihre Urheber mangelt. Es wird dabei kritisiert, dass die europäischen Bemühungen – etwa mit der Arbeitsgruppe für strategische Kommunikation Task Force East StratCom des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) – zur Aufdeckung von Desinformationskampagnen keine wirksamen Instrumente für den Schutz politischer Diskurse oder Wahlen in Europa bieten.

Zu wenig Beachtung findet speziell das frühe und entschiedene Einschreiten bei Angriffen im Cyberraum. Das hat sich zuletzt bei der Attacke auf Social Media Profile prominenter Politiker gezeigt. „Early Response ist nicht nur bei solchen Hack-and-Leak Taktiken entscheidend, sondern besonders bei Kampagnen der Desinformation. Erfolgreiche Narrative können innerhalb von 20 Minuten ihre volle Wirkung im digitalen Informationsraum entfalten“, erklärt Tabea Wilke, CEO und Gründerin des Berliner Unternehmens botswatch Technologies, das auf die automatisierte Früherkennung und Forensik von organisierten Falschinformationen wie Propaganda und Desinformation spezialisiert ist.

EU-Aktionsplan gegen Desinformation

Diese Entwicklung bedroht den Zusammenhalt der Gesellschaft und beschädigt das Vertrauen der Bürger in die Institutionen, Organisationen und ihre Akteure nachhaltig. So sehen nach einer aktuellen Forsa-Umfrage 81 Prozent der Menschen in Deutschland die Demokratie durch politische Desinformationen gefährdet. Im Vorfeld der Europawahlen versucht die Europäische Kommission deshalb mit einem „Aktionsplan gegen Desinformation“ entsprechende Kampagnen zu bekämpfen. Unter anderen sollen dabei ein Schnellwarnsystem, die Förderung von Qualitätsjournalismus sowie ein koordinierteres Vorgehen von Online-Plattformen, staatlichen Stellen und politische Parteien den reibungslosen Ablauf der Wahlen gewährleisten. Dabei sieht der zuständige EU-Kommissar für die Sicherheitsunion der EU, Sir Julian King, vor allem die Internetkonzerne in der Pflicht. Ihnen kommt laut King eine zentrale Aufgabe zu, dem Missbrauch ihrer Infrastruktur durch feindliche Akteure entgegenzutreten und für die Sicherheit ihrer Nutzer und der Gesellschaft zu sorgen.

Neben der Gefahr gezielter politischer Desinformationskampagnen wächst die Sorge, dass die in wenigen Tagen stattfindenden EU-Parlamentswahlen kurzfristig Ziel eines Cyberangriffs sein werden. Befürchtet wird insbesondere die digitale Manipulation der Wahlergebnisse. Experten aus Sicherheitskreisen verweisen hier auf die Verwundbarkeit der IT-Systeme, die etwa in Estland zur elektronischen Stimmabgabe und in vielen europäischen Ländern zur Stimmenauszählung und Ermittlung der Wahlergebnisse angewandt werden. Bei der Europawahl ist das Risiko auch deshalb so groß, da nahezu jeder Mitgliedsstaat mit einer eigenen Technik arbeitet. Jedes dieser Systeme hat seine eigenen Schwächen. Dementsprechend ist die Gefahr hoch, dass falsche Auszählungsergebnisse veröffentlicht werden. Die Folge könnten weitere Vertrauensverluste und eine Verunsicherung in der Bevölkerung sein. Im Rahmen einer Anfang April durchgeführten Übung der EU-Agentur für Cybersicherheit (ENISA) haben Vertreter von EU-Regierungen und EU-Institutionen solche Szenarien deshalb bereits durchgespielt, um auf etwaige Cyberangriffe auf kritische Netzinfrastrukturen reagieren zu können.

Desinformationskampagnen und Cyberangriffe sind auch für die Wirtschaft eine Bedrohung

Auch Unternehmen sind zunehmend von Cyberangriffen und gezielten Desinformationskampagnen betroffen. Laut des letzten Cybersecurity Reports von Deloitte und dem Meinungsforschungsinstitut Allensbach befürchten immer mehr Führungskräfte die Manipulation der öffentlichen Meinung durch Fake-News. So ist der Anteil derjenigen, die Fake-News als großes Risiko betrachten, von 67 Prozent im Jahr 2017 auf nunmehr 75 Prozent angewachsen. Besonders groß ist dabei die Sorge vor Imageschäden. Das Spektrum möglicher Angriffe reicht dabei von gezielten Attacken auf die Unternehmensführung über Kampagnen, die das Image von Produkten beschädigen oder die Kreditwürdigkeit anzweifeln, bis hin zur gezielten Beeinflussung des Aktienkurses. Daraus entstehende Imageschäden verursachen jährlich erhebliche Schadenssummen für Unternehmen und führen auf Kunden- und Partnerseite oftmals zu einem Vertrauensproblem.

Command Control präsentiert zukunftsweisende Lösungen für Cyber Resilience

  • Doch wie kann ein Unternehmen überhaupt erkennen, dass es Opfer eines orchestrierten Angriffs ist?
  • Welche Gegenmaßnahmen sind wirkungsvoll?
  • Wie kann man mit einem ganzheitlichen Risikomanagement und der Einführung von Resilienzmaßnahmen gegen Desinformationskampagnen vorgehen?
  • Wie lässt sich das Vertrauen in eine Unternehmensmarke und Institutionen im Zeitalter von Digitalisierung und Cybersicherheit stärken?
  • Wie können die Gesellschaft, politische Institutionen und Unternehmen ihre Resilienz gegen Fake-News und Cyberattacken auf ihre Infrastrukturen erhöhen?

Diese und weitere Fragen werden Entscheider und Experten aus Wirtschaft und Politik am 3. und 4. März 2020 auch auf der Command Control in München diskutieren.

„Als interdisziplinäres Format präsentieren und debattieren wir zukunftsweisende Lösungen, Konzepte und Denkmodelle für digitale Sicherheit und Cyber Resilience“ erklärt die Projektleiterin der Command Control, Katharina Keupp. Die Plattform der Messe München bietet exklusives Anwendungs- und Expertenwissen und ermöglicht interdisziplinäres Matchmaking.

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Oliver Rolofs

Autor:

Oliver Rolofs
Managing Partner der Strategieberatung connecting trust und ehemaliger Leiter Kommunikation der Münchner Sicherheitskonferenz

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